Schwierige Gespräche lösungsfokussiert vorbereiten und führen

Schwierige Gespräche zu führen, die man eigentlich lieber umgehen würde gibt es immer mal wieder, sei es ein Mitarbeitergespräch bei dem es um Kritik geht, eine unangenehme Verhandlung, ein Gespräch über gemachte Fehler oder Konflikte innerhalb eines Teams und der Führungskraft.

Bestimmt haben Sie schon die Erfahrung gemacht, dass das eigentliche Gespräch dann gar nicht so schlimm war, im Vergleich zu der Zeit davor in der Sie sich viele Gedanken gemacht, die Situation mehrfach durchgespielt oder mit Kollegen und mit Bekannten darüber gesprochen haben.

Fokus auf Lösungen statt auf (Selbst-)Beschuldigungen

Vielleicht haben Sie schon bemerkt, dass es einen Unterschied machen kann, ob Sie sich darauf konzentrieren was mit Ihnen oder den anderen Beteiligten nicht stimmt oder ob Sie Worte dafür fanden welchen Zustand Sie selbst als Ergebnis eigentlich anstreben. Um Gespräche effektiv vorzubereiten helfen Fragen, die den erwünschten Lösungszustand in den Blick nehmen. Die lösungsfokussierte Gesprächsführung von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg bietet dafür vielfältige Möglichkeiten.

Warum erscheinen Gesprächssituationen als schwierig?

Gesprächsanlässe erscheinen schwierig, weil sich völlig zurecht unangenehme Emotionen aufgrund bereits gemachter Erfahrungen melden, bei denen wichtige Bedürfnisse keine ausreichende Berücksichtigung fanden. Also werden solche Anlässe „emotional markiert“ und als lieber zu vermeiden abgespeichert.

Wenn Sie bereit sind schwierige Gespräche anzugehen, dann können Sie ruhig auch einmal würdigen, dass Sie trotz Magengrummeln dennoch das Beste tun wollen und sich entsprechend Gedanken machen, damit das das Gespräch gelingt.

Wortwahl und Einstellung

Die Wortwahl ergibt sich nach meiner Erfahrung von selbst, abhängig davon mit welcher Intention man in ein Gespräch geht und worauf man fokussiert. Verteufelt man den anderen im Vorhinein, so wird das Ergebnis die Vorannahmen sehr wahrscheinlich bestätigen.

Bringt man jedoch den Fokus auf die Achtung der eigenen Bedürfnisse und derer des anderen, dann eröffnet sich ein Verhandlungsspielraum.

Lösungsfokussierte Gesprächstechniken können im Gespräch ebenfalls hilfreich sein, wenn Sie den Gesprächspartner bei Gestaltung des Gesprächsrahmens und des Gesprächsziels miteinbeziehen.

Tipps zur Vorbereitung

Wenn Sie möchten, probieren Sie einmal das folgende Gedankenspiel als Vorbereitung für Gespräche, die im Moment schwierig scheinen:

  • Stellen Sie sich die Gesprächssituation im Geiste vor und fragen Sie sich:
    An welchen ersten kleinen Anzeichen würde ich bemerken, dass sich die Gesprächssituation zum Besseren verändert? Was wäre dann beobachtbar anders?“
    (Falls Ihnen nur Anzeichen einfallen, die die andere Person betreffen, dann ist das kein Problem. Fragen Sie sich dann einfach welche Auswirkungen diese Anzeichen auf Sie selbst hätten.)
  • Fragen Sie sich: „Was wäre noch anders? ……….Was noch? ……..Und was noch?“
  • Fragen Sie sich weiter: „Welche Auswirkungen hätte das Eintreten der Veränderungsanzeichen in der Gesprächssituation vermutlich auf die andere(n) Person(en)?“
  • Fragen Sie sich: „Angenommen, ich würde die Erkenntnisse aus diesem Gedankenspiel anwenden und die Besserungen würden sich einstellen, wie würde ich mich dann fühlen?“

Diese Vorbereitung kann die Wahrscheinlichkeit sehr erhöhen, dass die Gesprächssituation günstiger verläuft. Der Grund: Die nützlichen und hilfreichen Veränderungsoptionen wurden schon einmal durchgespielt. Dadurch können sich diese im Gespräch leichter einstellen.